4WLC: neuer LEGO-Auto-Tuning-Trend aus Japan

4WLC bedeutet: 4 Wide LEGO Cars. Hier werden vier Noppen breite LEGO-Autos nach JDM-Tuning-Manier frisiert. Maximale Tiefe, schräg stehende Tiefbettfelgen mit einem Hauch von Reifen und große Spoiler. Die 4WLC-Szene in Deutschland ist noch sehr klein. Unser Gastautor Sören steckt (im wahrsten Sinne des Wortes) bereits tief drin. Heute berichtet er, warum seine Liebe zu vier Noppen breiten LEGO-Autos so groß ist, wie alles begann und wie er zu 4WLC kam. All das garniert mit vielen tollen Bildern aus Sörens LEGO-Garage.

Viel Spaß beim Bilderansehen und Lesen!

LEGO-Autos der 80er: ein verspielter Rückblick

Soweit ich mich erinnern kann, waren meine ersten LEGO-Steckkästen keine LEGO-Raumschiffe oder LEGO-Ritterburgen, sondern Fahrzeuge aus dem Themenbereich LEGO-Stadt.

Ich weiß nicht mehr ganz genau, welches Noppenstein-Auto das erste war. In Frage kommen das Arztauto (6629) oder das Cabrio (6627). Zwei ganz klassische Autos, basierend auf der 4x10er-Grundplatte, mit einem Sitz, einem Lenkrad, zwei zu öffnenden Türen und einer klar transparenten geneigten Frontscheibe sowie den Räder mit roten Felgen und Metallachsen. Das Cabrio bot zudem eine Motorhaube zum Öffnen. Später kam noch das Polizeiauto 6623 hinzu.

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Diese Autos mit Vier-Noppen-Breite und Zehn-Noppen-Länge wurden von LEGO von 1978 an gebaut und verkauft. Die damals neuartige Bodenplatte mit der abgesenkten Sitzfläche und den vier Aussparungen für die Räder ließ es endlich zu, dass die zum Set gehörenden Minifiguren tatsächlich im Auto Platz nehmen konnten.

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Anfangs noch ohne Dach, ab 1981 dann mit einem nach oben klappbaren Dach (ab 1986 wahlweise mit Glaskippdach) zum Hineinsetzen und Herausholen der Figur. Die anfangs teils embossiert aufgedruckten oder aufgeklebten Scheinwerfer und der Kühlergrill wurden in den Achtzigern ersetzt durch modifizierte Steine, die transparente gelbe oder rote stehende Plättchen aufnahmen. Somit hatten die Autos auch „richtige“ Scheinwerfer und Rücklichter.

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Es folgten jede Menge (insgesamt fast 60) Variationen der im Grunde immer gleichen Bauart: Als PKW mit Stufenheck, als Kombi, als Servicefahrzeug für verschiedenste Zwecke, als Geländewagen, als Monstertruck, Anfang der Neunziger sogar kurzzeitig mit gefederten Achsen.

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Kein größeres Set und keine LEGO-Stadt wäre ohne Autos in Viererbreite denkbar gewesen. Sogar Traktoren und LKWs waren damals vier Noppen breit. Passend dazu war die Fahrspurbreite der Straßenplatten bemessen.

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Der letzte Vertreter dieser klassischen Bauart war 2003 im Programm (LEGO-Set 7032: Police 4WD). Die weitere Entwicklung der LEGO-Autos entspricht in etwa der der reale Vorbilder in 1:1. Die kompakten und kantigen Formen der Achtziger wichen runderen Formen mit flacheren Scheiben und weniger Fensterfläche. Kotflügel wurden ausgeformter und größere Räder wurden verbaut. Auch kam in den LEGO-Autos eine neue und längere Bodenplatte zum Einsatz. Gleichzeitig wurde die Viererbreite überschritten. Erst kam die Sechs-Noppen-Breite, aktuell wird bei den Speed Champions (Beispiel: Audi Quattro S1) sogar auf Acht-Noppen-Breite erweitert.

Das Tolle: Insgesamt ergibt sich aus der Vielzahl an Modellen, die in den über 40 Jahren LEGO-Geschichte bis jetzt entstanden sind, eine Vielzahl an verwendbaren Teilen, um Autos nach ganz eigenen Vorstellungen zu tunen oder ganz neu zu schaffen.

4 Wide LEGO Cars: fetziger Tuning-Trend aus Japan

Wenn es darum geht kleine LEGO-Autos zu tunen, erweist sich Japan als sehr kreative Quelle für Ideen. Und hier besonders eine Gruppe von LEGO- Enthusiasten, welche sich auf den Bau und die Zurschaustellung von getunten LEGO-Autos in Viererbreite (4 Wide LEGO Cars, abgekürzt 4WLC) spezialisiert hat. Hier mal ein cooles Video:

Seit der Etablierung des Luftfahrwerks in der Tuning-Szene und insbesondere in Japan anzutreffenden Fahrzeugen mit extremem Tiefgang und noch extremeren negativen Sturz werden hier Möglichkeiten gesucht und gefunden, um dies bei Noppensteinautos umzusetzen.

Auch was den Bau von extravaganten Rädern betrifft, kann man beim Anblick der japanischen Kreationen auf den meist unter dem Begriff „Hot Minifig Rides“ veranstalteten Shows nur staunen. Präsentiert werden jedoch nicht nur die Fahrzeuge an sich, sondern diese als Teil eines meist recht großen Dioramas mit Straßen, Tankstellen, einem Strand, Rennstrecken und Parkplätzen, etwa vor Einkaufszentren.

Vor fast zwei Jahren entdeckte ich beim Bau eines „4 Wide LEGO Car“ eine Anleitung zur Tieferlegung des Polizeiautos aus dem Set 60042 auf YouTube, im Kanal eines gewissen Tamotsu 4WLC. Darin wird demonstriert, wie man dieses Fahrzeug tieferlegt, indem die Platten mit den Radhaltern durch welche mit Clips ersetzt werden. Die Achsschenkel sind T-Verbinder aus dem Pneumatik-Bereich und als Räder kommen die 11×8-Millimeter großen TECHNIC-Exemplare mit Pinaufnahme zum Einsatz, die mit 14×6-Millimeter großen Slicks bezogen sind. Durch die Anordnung der Clips und T-Verbinder ergibt sich eine geringfügig verstellbare Tieferlegung bei moderater Sturzänderung, wobei das Auto selbst dann noch rollt, wenn es praktisch komplett abgesenkt ist.

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Geflasht von der Anleitung entstand der Wunsch, selbst so etwas zu bauen. Nachdem ich auf Tamotsus-Flickr-Seite Fotos von einem solchen sah, wusste ich – ein Kombi soll es sein. Also wurden beim örtlichen Gebrauchtteilehändler und bei BrickLink entsprechend Teile beschafft – größtenteils in Dunkelgrau. Und los ging es.

Die erste Variante stand Ende Januar 2018: Ein grauer Surfer-Kombi mit hellgrauen Felgen, mit Anleihen beim Bosozoku (überstehende Motorhaube, geneigte Scheinwerfer, 1×1-Pyramidenprismen als Rückleuchten).

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Das Surfbrett wich später einem Dachgepäckträger und die Scheiben wurden mit Sponsorenschriftzügen aus dem RC-Car-Bereich verziert. In dieser Aufmachung wurde der „Slammed Gray Wagon“ im Juni 2018 von Tamotsu Nobusawa für seinen 4WLC-Blog als „Instagram Pick“ des Monats gezeigt. Eine große Ehre!

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Etwa zur gleichen Zeit entdeckte ich bei Flickr mein LEGO-Traumauto: Unter den Fotos der „Yokohama LEGO Off“ 2015 mit zahlreichen spektakulären Fahrzeugen war eine eher unscheinbare gelbe Limousine zu sehen, die die oben beschriebene Form der Tieferlegung aufwies. Die LEGO-Limo hatte Kotflügelverbreiterungen, alle Merkmale der klassischen 4x10er-Autos aus den 80er-Jahren mit großen steilen klaren Scheiben, ein Klappdach in Schwarz und zu öffnende Türen. Das besondere Highlight war der 1x4er-Stein mit dem embossierten Aufdruck für Scheinwerfer und Kühlergrill.

Der LEGO Digital Designer ruhte nicht eher, als dass dieses Fahrzeug nahezu baugleich mit einigen Änderungen auf dem Bildschirm zu sehen war. Abermals wurden Teile beschafft, um das Auto komplett in Schwarz zu realisieren. Und auch hier wurden im Nachhinein mehrere Änderungen vorgenommen. Allen voran die Chromfelgen aus einem polnischen BrickLink-Store namens Chrome Block City nebst chrombedampfter Pins, als Kontrast zum schwarzen Rest. Alle transparenten Teile sind entweder hellblau oder – im Falle der Rückleuchten – neonorange.

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Und weil ich von dem Design nicht genug bekam, folgten ein weißer Kombi, ein gelber Pick Up und schließlich eine Art Rennversion der schwarzen Limousine in Rot, mit der embossierten Front und goldverchromten Felgen aus Polen.

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Mittlerweile umfasst meine Sammlung an LEGO-Tuning-Cars zwölf Eigenbauten in Vier-Noppen-Breite. Darunter auch 2 Geländewagen mit 4x10er-Basis und den gefederten Achsen (Ende der 80er/Anfang der 90er) sowie eine Art Lieferwagen für mobile Beschallung auf Autotreffen.

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Und natürlich habe ich auch ein LEGO-Auto nach dem Vorbild meines eigenen Autos frisiert, gefahren von einer Minifigur, die aussieht wie ich. Die Tieferlegung hier ist allerdings anders. Die 11×12 Millimeter großen Standardräder werden direkt mit Clips gehalten und lassen sich somit nicht mehr drehen. Bezogen sind sie mit offenbar älteren Profilreifen, die mir in der „Schlegobilbox“ (einem kleinen Spielzeug-An-und-Verkauf in Leipzig West) mal in die Hände fielen.

Und schließlich wurde der graue Kombi (mittlerweile auf rotverchromten Felgen von Chrome Block City unterwegs) letztes Jahr auf Instagram in der Kategorie #4wide für den LEGO Car Design Award des kanadischen Portals und Fanclubs BRICKAWESOME!!! nominiert und von der fünfköpfigen Jury, bestehend aus Jerry Builds Bricks, Jonathan Elliott, Lee Schulz, Tamotsu Nobusawa und „Brick Clicking Big Pete“ preisgekrönt!

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Nicht zuletzt durch diese Motivation bin ich sicher, das 4WLC-Fieber wird mich nicht loslassen und die Sammlung wird weiter wachsen. Und so werden noch viele weitere Autos entstehen.

Und nicht vergessen: 4WLC is not a crime!

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