Als Nachfolger von Burg Königstolz (LEGO 6090) kam im Jahr 2000 die große Königsburg (LEGO 6098) auf den Markt. Sie polarisiert sehr stark. Für die einen ist sie ein emotionales Erinnerungsstück an die Kindheit und ein würdiger Nachfolger legendärer LEGO-Burgen der 80er- und 90er-Jahre. Für andere markiert sie einen kritischen Wendepunkt in der LEGO-Historie: zu grob, zu sperrig, zu viele vorgeformte Teile – und damit ein Sinnbild für eine Phase, in der LEGO zu straucheln begann.
Tatsächlich erschien die Königsburg in einer spannungsgeladenen Zeit. Um die Jahrtausendwende experimentierte LEGO verstärkt mit großen Formteilen, um schneller komplexe Modelle zu realisieren und neue Zielgruppen anzusprechen. Gleichzeitig geriet das Unternehmen wirtschaftlich unter Druck – eine Entwicklung, die rückblickend oft als „LEGO-Krise“ bezeichnet wird. Auch Set 6098 trägt die Spuren dieser Ära deutlich in sich: monumentale Wand- und Turmelemente auf der einen Seite, eingeschränkte Umbaufreundlichkeit und ein Bruch mit der klassischen Bauphilosophie auf der anderen.
Ist die große Königsburg also ein unterschätzter Fanliebling oder eher ein überambitionierter Fehlgriff? Der Frage gehe ich detailliert in meiner Video-Review nach und teile in diesem Beitrag Bilder und Gedanken zu Set 6098.
Gute Unterhaltung!
Basis-Infos: LEGO 6098
- Name: König Leo´s große Königsburg
- Set-Nummer: 6098
- Erscheinungsjahr: 2000
- Themenbereich: LEGO Ritterburg, Knights Kindom 1
- Produktionszeitraum: 2000 bis 2003
- Vertrieb in: Europa, Asien und Australien
- Verkaufspreis (2000): aktuell nicht bekannt
- Teileliste: 497 Teile + 8 Minifiguren
- Set selber bauen: LEGO 6098 Bauanleitung
- LEGO 6098 kaufen: auf Ebay, auf Kleinanzeigen, auf Bricklink
LEGO 6098 hautnah im Video
Vor dem Aufbau der großen Königsburg hatte ich ein skeptisches Bauchgefühl. Direkt nach dem Bau haben ich ein detailliertes Video zur Festung 6098 gemacht und lasse Euch an meinen Gedanken teilhaben. Top oder Flop? Das erfährst Du hier:
Die Box
Die OVP ist sehr wuchtig. Auf mich wirkte die Box auf den ersten Blick sehr imposant. Der Karton will sagen: „Da wird gleich einiges passieren.“ Mal schauen. *Grins*

Erste Spielfunktionen sind auf der Front zu sehen. Links fliegt die Schatztruhe durch die Luft und rechts im Bild hängt ein Skelett an einem Katapult. Was aber auch sofort auffällt, sind die vielen Formteile.
Wir flippen die Box auf Seite B:

Auf der Seite des Kartons sind die Teilsegmente der Festung gezeigt:

Das deutet auf modulare Möglichkeiten hin. Später wird sich aber zeigen, die Modularität ist eher eingeschränkt. Die möglichen Slots für die verschiedenen Segmente sind schon vorbestimmt.
Die Minifiguren zeigen sich ebenfalls schon auf der Seite der Box. Mein persönliches Highlight ist König Leo und seine Dame. Auf die Minifiguren gehe ich weiter unten genauer ein.

Große Box, große Klappe. Hier ein Blick „unter die Haube“ der OVP:

Hier werden die einzelnen Spielfunktionen kurz gezeigt und den einzelnen Teilen der Festung zugeordnet.

Einen Großteil des Platzes im Karton nimmt die große 3D-Grundplatte ein. Grundsätzlich besitzt die Königsburg 6098 rund 500 Teile. Das ist nicht übertrieben viel. Zum Vergleich dazu: Die Vorgängerfestung „Burg Königstolz“ (LEGO 6090) von 1995 hat 712 Teile und 11 Minifiguren (darunter den coolen Leuchtgeist). Hier ein Bild zum Vergleich:

Die Bauanleitung: Zu viele sperrige Formteile?
Die Bauanleitung zeige ich im Video detaillierter. An dieser Stelle bekommst Du aber einen guten Eindruck, wie unglaublich simpel und großteilig die Bauerfahrung ist. Ich hatte immer wieder das Gefühl, ein LEGO-4+-Set zu bauen, obwohl auf dem Cover der Box oben eine Altersempfehlung von 7 bis 12 Jahren steht. Das ist schräg.




Der große Torbogen ist für mich ein Negativ-Highlight. Anstelle dieses wuchtigen Formteils könnten viele Bricks und Slopes in Grau stecken. Daraus könnte man dann auch deutlich mehr bauen, als aus einem übergroßen Bogen. Im Vergleich dazu kannst Du Dir gern mal das Burgtor (LEGO 6059) von 1990 anschauen. Spannend, wie sich die Herangehensweise von LEGO innerhalb von 10 Jahren geändert (verschlechtert) hat.

Die Minifiguren
Lasst uns einen Blick auf die Minifiguren werfen. Wir befinden uns im Themenbereich „Knights Kingdom 1“. Hoch zu Pferd seht Ihr König Leo mit chromglänzendem Helm und Schwert, daneben seine Königin mit dem passenden Namen Leonora. Rechts ist die Königstochter Prinzessin Sturm (im Englischen: Princess Storm). Dem Namen nach scheint sie eine stürmische Person zu sein. Ich finde es cool, dass LEGO eine weibliche Person als Nachwuchs gewählt hat. Das erinnert mich ein bisschen an Ronja Räubertochter. Apropos Räuber: Warum gab es bei LEGO Wolfpack eigentlich keine weibliche Haupt- oder Nebenfigur?

Die drei Figuren finde ich sehr gelungen. Sie würden definitiv sehr gut in ältere LEGO-Ritterburgen passen.
Als Ergänzung zu den drei royalen Burgbewohnern gibt es noch zwei Soldaten und ein Skelett.

Zugegeben, das ist als Burgbesatzung ein bisschen mager. Ich denke gerade an die Löwenritterburg (LEGO 6080) von 1984, bei der neben vier Rittern (und vier Pferden) auch 8 Soldaten zu Dir kamen. Hier mal ein schönes Bild des ikonischen Sets:

Zurück zur 6098: Zwei Bösewichter sind ebenfalls enthalten. LEGO hat sich für die beiden sogar eigenen Namen ausgedacht: Links seht Ihr den Räuberhauptmann „Cedric the Bull“ und rechts „Gilbert the Bad“. Gruselige Kollegen.

Die große Königsburg
Die fertig gebaute Königsburg (LEGO 6098) sieht so aus:

Hier ein Bild der einzelnen Module:

Leider stößt diese scheinbare „Modularität“ schnell an ihre Grenzen, denn die einzelnen Segmente können nicht wahllos getauscht werden. Im Video erfährst Du mehr dazu.
Mich persönlich stört eine Sache aber noch viel mehr. Über die Zugbrücke (die keinen Faden hat) gelangt man direkt in den Thronsaal. Nur wenige Noppen hinter dem Fallgitter sitzt schon der König. Das fühlt sich ziemlich merkwürdig an.



Wie oben bereits erwähnt, gibt es Spielfunktionen an der Festung. Sie wirken allerdings eher wie bei einem 4+-Set. Hier ein paar Bilder für Euch. Im Video zeige ich die Funktionen detaillierter:






Mein großes Highlight an der großen Königsburg (LEGO 6098) ist definitiv das bunte Fenster, das Ihr hier im Bild seht. Das flasht mich sehr. Wenn man dieses Fenster in eine klassische graue LEGO-Burg einbaut, würde das ziemlich cool aussehen. Ich muss das mal ausprobieren. *Grins*

Fazit
Die große Königsburg (LEGO 6098) ist für mich ein enttäuschendes Set. Das beginnt schon beim Bauerlebnis. Das Zusammenstecken der großen Formteile fühlt sich an wie bei einem LEGO-Set der 4+-Reihe. Ich habe Euch oben Bespiele in der Bauanleitung gezeigt, die man mit Bausteinen besser lösen könnte. LEGO hat hier leider gegen die eigene System-Idee gearbeitet. Das ist sehr schade, ist aber gleichzeitig ein Zeichen für die Krise des Unternehmens um die Jahrtausendwende.
Mich stört aber auch, dass die Burg keinen Innenhof hat, die Segmente die Burg eher trennen als zu verbinden und dass man als Besucher direkt vor dem Thron steht. Stellt Euch mal vor, eine Delegation von Rittern kommt zu „Käffchen und Kuchen“ vorbei. Das fühlt sich sehr merkwürdig an.
Mein Highlight sind die royalen Figuren mit König Leo, den schönen chromglänzenden Teilen, der Pferdedecke und der Königin. Ich mag das mittelalterliche Fenster extrem gern. Das erinnert mich an alte mittelalterliche Filme und Literatur. Das Design des Fensters in seiner sehr stilvollen Art passt irgendwie gar nicht zum restlichen Set. Spannend.
Ich selbst kenne niemanden, das die große Königsburg als Kind hatte und über das Spielerlebnis berichten kann. Vielleicht habt Ihr Erinnerungen oder Ihr kennt jemanden. Nutzt gern die Kommentarfunktion zum Ergänzen.
Als Spielset im Burgen-Bereich ist die Creator-3-in-1- Burg (LEGO 31120) aus der nahe Vergangenheit (sprich: 2021) meiner Meinung nach um Welten besser. Sie kommt sogar noch mit Alternativmodellen zu Dir. Früher war vielleicht doch nicht alles besser?! *Zwinker*
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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort
Hallo Sebastian,
ja, die 6098 ist halt eine Spielburg. Sie sieht auch etwas nach dem Disneyschloss aus. Ich glaub wenn Du Kind währest würdest Du anders die Burg wahrnehmen. Wir machen generell den Fehler die Burgen aus unserer Erwachsenen Perspektive zu beurteilen.
Auch das sehr viele Formteile verbaut sind, macht für Kinder Sinn. Denn wenn Du als Kind eine Burg schnell zusammengebaut hast kommst du schneller zum Spielen. Denn Kinder verlieren schnell mal die Geduld. Vergleiche einfach mal eine heutige Burg mit einer von damals. Heute gibt es in den meisten Burgen Toiletten Räume zum Essen und Kochen. Damals waren die Burgen eigentlich nur Verteidigungsanlagen oder Angriffsanlagen.
Hi Mirko,
ich war tatsächlich auch mal Kind. Ich denke immer wieder gern an die unzähligen Stunden zurück, in denen ich mit LEGO-Bausteinen gebaut habe. Auch die von vielen beschriebene Pappkiste mit wild gemischten Bausteinen hatte ich und konnte mich ewig mit dem kreativen Bauen beschäftigen. Genau das ist ja der große Vorteil von LEGO bzw. Klemmbausteinen. Aus meiner LEGO-Burg 6085 habe ich immer wieder andere Modelle gebaut. Dabei ist es extrem Vorteilhaft, wenn man möglichst viele Bausteine hat, die eben nicht speziell und groß sind, sondern Möglichkeiten öffnen, etwas Neues daraus zu bauen. Mir ging es als Kind nie um das schnelle fertig werden, sondern um das Bauen und das Versinken im kreativen Prozess. Stundenlang. Zum Glück gab es ja Playmobil für Fans von großen Formteilen. Bei Playmobil ist man schnell mit dem Bau fertig und kann dann spielen. LEGO hat da deutlich mehr kreatives Bau-Potenzial. Vorausgesetzt es gibt Bausteine, die das zulassen.
Beste Grüße Basti
Die Burg von 1995 würde ich der von 2000 jederzeit vorziehen. Die war damals leider eine unerreichbare Burg, die ich nie gekauft habe. Heute wäre es mir wohl zu teuer, solange es keinen Erben gibt. :/
Schade, dass Lego es heute nicht mehr so mit Burgen hat. Stellt euch vor: 20 Falkenritter in einem Trupp gegen 20 Löwenritter und fünf Forestman warten schon im Gebüsch auf die Gelegenheit die wahre Beute zu machen. Ach…
Vielen Da ändert für das tolle Review. Als das Set erschien war ich in meinem Dark Ages. Witzigerweise habe ich mir in dieser Zeit dennoch immer die LEGO Kataloge angeschaut und in den Geschäften geholt und dann gesagt…das sieht ja immer wieder aus, immer größere Teile, buntere Sachen, viel Fantasy, gerade für mich als Burgenfan. Deshalb war ich seit 1996/1997 raus aus dem Thema🤭🤭
Und dennoch…eine große Burg hätte ich immer gern gehabt, denn das größte Set, was ich hatte, war die 6077 und 6078.
Und diese Burg hatte eine super raised Baseplate, aus der ich hätte super MOCs bauen können, obwohl wir das damals anders nannten🤣